Geschichte

 

Kleine Chronik der Darmstädter Goethe-Gesellschaft

Rechtzeitig zum Jahr 1949, in das Goethes 200. Geburtstag fiel, trat am 18. Dezember 1948 die Darmstädter Goethe-Gesellschaft in der Gaststätte ‚Bockshaut’ zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen.

„Der Verein verfolgt keinen wirtschaftlichen, sondern ausschließlich und unmittelbar den gemeinnützigen Zweck, die universale Gedankenwelt Goethes lebendig zu erhalten und die mit seinen Mitstrebenden verknüpfte Literatur, Kunst und Forschung zu pflegen. Hierbei dürfen weder rassische noch politische oder religiöse Zwecke verfolgt werden.“ Der Passus aus der Satzung der Darmstädter Goethe-Gesellschaft, geboren aus der Not der Nachkriegsjahre, hat bis heute seine Gültigkeit nicht verloren.

Bei der ersten öffentlichen Veranstaltung 19. Januar 1949 wurde das erste Programm der Darmstädter Goethe-Gesellschaft e. V. bekanntgegeben. In der ersten ordentlichen Mitgliederversammlung am 14. März übernahm Dr. Fritz Merck das Amt des 1. Vorsitzenden. Höhepunkt des ersten Jahres war der Festakt in der Stadthalle am 28. August 1949 unter Mitwirkung von Fritz Usinger. Zweite Vorsitzende waren Prof. Otfried Prätorius (1949-1953), Dr. Fritz Groos (1953-1958) und Hans Bochow (1958-961).

In den ersten Jahren verlief die Programmgestaltung schleppend, die Zusammenarbeit mit der Weimarer Dachgesellschaft war infolge der politischen Verhältnisse abgeschnitten. Die dennoch anberaumten Vortragsabende fanden fast immer in der Volkshochschule statt.

1958 übernahm Emanuel Merck den 1. Vorsitz, 1970 löste Prof. Peter Berglar ihn ab. Unter der Geschäftsführung von Dr. Fritz Ebner seit 1961 setzten abwechslungsreiche Vortragsprogramme ein, der rege Austausch mit der Goethe-Gesellschaft in Weimar brachte neue Impulse. Zum Zeichen des Neubeginns wurde die 1963 in der Kunsthalle gezeigte Ausstellung „Darmstadt zur Goethezeit“. 1983 übernahm Dr. Fritz Ebner den 1. Vorsitz, 2. Vorsitzender wurde Dr. Günther Martin.

Die 1973 zum 25-jährigen Bestehen gestiftete Johann-Heinrich-Merck-Medaille wurde bis dato 23 Mal vergeben. Das Motto „Wir sind doch nur insofern etwas, als wir was für andere sind“ ist einem Brief Mercks entnommen. Unter den Preisträgern befinden sich viele bedeutende Persönlichkeiten aus Literaturwissenschaft und Kultur.

Zu Goethes 150. Todes 1982 kuratierten die Mitglieder Bibliotheksdirektor Dr. Yorck A. Haase und Bibliotheksoberrat Werner Wegmann die Ausstellung „Goethe in Darmstadt“ in der Landes- und Hochschulbibliothek. Die Jubiläumsausstellung „50 Jahre Darmstädter Goethegesellschaft“ 1999 stand unter Federführung von Dr. Fritz Ebner, und anläßlich des 85. Geburtstages von Dr. Fritz Ebner 2008 wurde am gleichen Ort die Wanderausstellung „Erbe und Gegenwart“ über das Wirken der zahlreichen Ortsvereinigungen der Weimarer Goethe-Gesellschaft gezeigt, zu den auch die Darmstädter Filiation gehört. 1986 hatte die Darmstädter Goethe-Gesellschaft zur jährlichen Tagung der Ortsvereinigungen eingeladen.

Dr. Fritz Ebner war fünfzig Jahre lang unermüdlich für die Goethe-Gesellschaft tätig, seit 1961 bis zu seinem Tod am 28. August 2010. In diesem Zeitraum wurden fast 450 Vorträge gehalten und 40 Exkursionen durchgeführt. Unterstützt wurde Dr. Ebner seit 1995 von Anne Walter, die bis heute das Sekretariat verwaltet, Schriftführerin und Schatzmeisterin ist. Im Januar 2010 übernahm Dr. Ulrike Leuschner mit dem 2. Vorsitz die Geschäftsführung, 2011 wurde Prof. Gernot Böhme zum 1. Vorsitzenden gewählt, seit 2012 hat Dr. Ute Promies das Amt der 2. Vorsitzenden und Geschäftsführerin inne.

In den ersten sechzig Jahren ihres Bestehens wurde die Goethe-Gesellschaft Darmstadt großzügig von der Merck’schen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft gefördert und erfreut sich aus diesem Personenkreis auch weiterhin privater Unterstützung. Die Stadtsparkasse Darmstadt bezuschußt die Kosten der Vortragsreihen.

 „In Goethes geistigem Haus gibt es viele Wohnungen. Es gleicht einem Baum, unter dem jeder, der will, seinen Platz finden kann“ – diesem Motto Fritz Ebners bleibt die Darmstädter Goethe-Gesellschaft Gesellschaft verpflichtet.

Ulrike Leuschner, Darmstadt, den 26.Juni 2012